Home Material Wahlprüfsteine

Antworten Wahlprüfsteine Landtagswahlen in Baden-Württemberg 2011


1. Pelzproduktion und Pelzverkauf

Die Herstellung von Tierpelzprodukten ist zwingend mit der Tötung von Pelztieren verbunden, die Haltung dieser Pelztiere auf sogenannten Pelztierfarmen überdies mit großen psychischen und physischen Qualen. Pelz ist längst ein reines Mode- und Prestigeprodukt ohne zwingenden Nutzen und stellt damit keinen vernünftigen Grund nach § 17.1 des Tierschutzgesetzes dar.

1.1 Wird sich Ihre Partei für ein generelles Verbot von Pelztierfarmen auf Bundes-/Landesebene einsetzen?
CDU In Baden-Württemberg gibt es unserer Kenntnis nach keine Pelztierfarmen.
Die Grünen Ja. Wir Grünen vertreten die Ansicht, dass die Tierhaltung zur reinen Pelztierhaltung ausnahmslos verboten werden muss.
Die Linke DIE LINKE wird sich auf Landesebene für das generelle Verbot von Pelztierfarmen stark machen. Es ist nicht zu akzeptieren, dass Tiere sinnlos gequält und zu Tode gebracht werden, damit wenige Menschen ihren Luxuskonsum befriedigen können. Pelztierfarmen sind mit modernem Tierschutz unvereinbar.
FDP In Baden-Württemberg wird unseres Wissens keine Pelztierfarm betrieben. Ein Verbot von Pelztierfarmen ist aus rechtlichen Gründen nicht durchsetzbar. Das gleiche gilt auch für ein Verkaufsverbot von Tierpelzen auf öffentlichem Grund. Eine Erhöhung der Auflagen im Sinne des Tierschutzes macht nur dann Sinn, wenn dies EU-weit geschieht.
ÖDP Ja
Piraten Parteipositionen erstellen wir nach intensiver Beschäftigung mit einem Thema; hierzu haben wir jedoch noch keine endgültige Positionierung vorgenommen. So bleibt es dem Gewissen unserer Abgeordneten überlassen, wie sie in solchen Fragen entscheiden oder ob sie Anträge oder Anfragen einbringen möchten.
SPD Wir haben uns bereits vor Jahren für ein Verbot der Pelztierzucht im Land und ein dementsprechendes Verbot eingesetzt.

Der Handel mit Pelzen sowie die Pelzverarbeitung werden wir nicht verbieten; wir wollen uns vielmehr speziell um die Zurückdrängung der Pelze von Wildtieren bemühen.

 

1.2 Falls ein Verbot nicht durchsetzbar/möglich ist, wird sich Ihre Partei für eine Erhöhung der Auflagen an Pelztierfarmen einsetzen, mit dem Ziel, die Pelzproduktion in Baden-Württemberg faktisch zu beenden?
CDU [s. Antwort unter 1.1]
Die Grünen Ja. Wir wollen dies mit einer Pelzhaltungsverordnung erreichen. Am Besten über eine Bundesratsinitiative, damit eine Bundesverordnung dazu erlassen wird.
Die Linke DIE LINKE wird sich im Landtag für die Verschärfung der tierschutzrechtlichen Auflagen stark machen.
FDP [s. Antwort unter 1.1]
ÖDP Ja
Piraten [s. Antwort unter 1.1]
SPD [s. Antwort unter 1.1]

 

1.3 Wird Ihre Partei den Verkauf von Tierpelzen auf öffentlichem Grund in BadenWürttemberg untersagen und an den Handel appellieren, auch auf privatem Grund den Verkauf einzustellen?
CDU [s. Antwort unter 1.1]
Die Grünen Wir wollen dafür werben, auf den Kauf von Pelzprodukten aus reiner Pelztierhaltung zu verzichten und wir wollen an den Handel appellieren den Verkauf von Tierpelzen einzustellen.
Die Linke Sofern die rechtliche Möglichkeit hierzu besteht, wird sich DIE LINKE gerne dieser Forderung annehmen.
FDP [s. Antwort unter 1.1]
ÖDP Ja
Piraten [s. Antwort unter 1.1]
SPD [s. Antwort unter 1.1]

 

2. Veggie-Tag

Zahlreiche Kommunen in Deutschland und in anderen Ländern haben bereits einen wöchentlichen Veggie-Tag eingeführt, an dem in vielen Gaststätten überwiegend und in öffentlichen Kantinen ausschließlich vegetarische Gerichte angeboten werden. (Beispiele: Bremen, Wiesbaden, Schweinfurt, Gent/Belgien, Sao Paolo/Brasilien). Auch in Baden-Württemberg befindet sich dieses Konzept in mehreren Kommunen in Vorbereitung.

2.1 Wird sich Ihre Partei für einen Veggie Tag in baden-württembergischen Kommunen aussprechen und diese bei der Durchführung unterstützen?
CDU Die Kommunen sollten dies für sich selbst entscheiden.
Die Grünen Ja, die Grünen haben diesbezüglich auch schon einen Antrag in den Landtag eingebracht (14/6434). Denn wegen des hohen Flächenverbrauchs, des ungünstigen Stoffdurchsatzes, der immensen CO2-Produktion und die Tatsache, dass in den Schwellenländern (u. a. China) der Konsum von Fleisch drastisch ansteigt und sich so die genannten Probleme weltweit verschärfen muss ein Umdenken stattfinden. Ein reduzierter Konsum von Gütern tierischer Herkunft leistet einen hervorragenden Beitrag zu einem vielschichtig verbesserten, nachhaltigen Umgang mit unseren Ressourcen, schont das Klima, ist global vertretbar, fördert die Gesundheit sowie die Qualität der Nahrungsmittel und ermöglicht eine artgerechte Haltung der Tiere ohne längere tierquälerische Transporte. Deshalb haben wir die Landesregierung angeregt, den Impuls für die Einführung von Veggie-Tagen zu geben und werden dieses wichtige Thema weiterverfolgen. Auch auf kommunaler Ebene sind die Grünen Gemeinderäte weiterhin mit Anträgen und durch Zusammenarbeit mit Tierschutz-Organisationen bestrebt, eine Mehrheit für einen Veggie-Tag zu erreichen.
Die Linke Die Förderung vom mehr Bewusstsein im Lebensmittel-Konsum ist uns ein wichtiges Anliegen.
FDP Welche Lebensgestaltung der einzelne für sinnvoll hält, darf ihm nicht von der Politik diktiert werden.
ÖDP Ja
Piraten Das ist eine sehr interessante Idee. Hierzu haben wir jedoch noch keine endgültige Positionierung vorgenommen. So bleibt es dem Gewissen unserer Abgeordneten überlassen, wie sie in solchen Fragen entscheiden oder ob sie Anträge oder Anfragen einbringen möchten.
SPD Wir planen nicht, die Kommunen oder die Bürgerinnen und Bürger zu einem „vegetarischen Tag" anzuhalten, sondern setzen auf eine moderne Ernährungsberatung, zu der auch gehört, dass ein mäßiger Fleischkonsum Vorteile für Tierschutz, Umwelt und Gesundheit hat.

 

3. Tierverbot in Zirkussen

Die Haltung und der Einsatz von Tieren in Zirkussen ist nicht auf eine Weise möglich, die den räumlichen und psychischen Bedürfnissen der Tiere gerecht wird. Überdies sind die gängigen Dressurmethoden fast immer mit physischer und/oder psychischer Gewalt gegen die Tiere verbunden. Beides gilt für domestizierte Tiere wie Pferde ebenso wie für Wildtiere.

3.1 Wird sich Ihre Partei für ein komplettes Verbot der Tierdressur in Zirkussen aussprechen?
CDU Die allgemeinen auf das Tierschutzgesetz gestützten Grundsätze der artgemäßen Tierhaltung gelten uneingeschränkt auch für Zirkustiere. Ein geeignetes Instrument für die tierschutzfachliche Bewertung ist die Sachverständigen-Arbeitsgruppe "Zirkusleitlinien" des Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz bzw. die vom Bundesministerium veröffentlichten Gutachten über die Mindestanforderungen an die Haltung von Tieren. Eine kontinuierliche Fortschreibung der Leitlinien auf der Basis neuer Erkenntnisse ist als fachliche Entscheidungsgrundlage für die Unteren Verwaltungsbehörden unverzichtbar. Mit dem derzeit im Aufbau befindlichen Zirkus-Zentralregister wird außerdem der besonderen Situation bei der tierschutzrechtlichen Überwachung dieser Betriebe Rechnung getragen.
Die Grünen Ja. Wir Grünen setzen uns dafür ein, dass die Haltung, das Mitführen und die Verwendung von Wildtieren in mobilen Zirkusbetrieben sowie ihre Dressur beendet werden. Wir werden dazu erneut auf allen politischen Ebenen aktiv werden.
Die Linke Wildtiere haben in der Zirkusmanege nichts zu suchen. Das Tierschutzgesetz ist jedoch ein Bundesgesetz, eine landesrechtliche Regelung daher nicht möglich. Schon 2003 hat DIE LINKE in der Stadtregierung Berlins einer Entschließung des Bundesrats zum „Verbot der Haltung bestimmter wildlebender Tierarten in Zirkussen und zur Errichtung eines Zentralregisters" zugestimmt. DIE LINKE macht sich für einen Zirkus ohne Tiere stark.
FDP Die FDP geht zunächst davon aus, dass jede Tierhaltung artgemäß sein muss. Dies gilt auch für die Zirkustiere. Die Vorgaben des Tierschutzgesetzes sind einzuhalten. Dafür gibt es die "Zirkusleitlinien" auf Bundesebene bzw. die von BMELV veröffentlichten Gutachten über die Mindestanforderungen an die Haltung von Tieren. Die FDP unterstützt, dass diese Leitlinien wie bisher auf der Basis neuer Erkenntnisse jeweils fortgeschrieben werden. Sie sind als Entscheidungsgrundlage für die Verwaltungsbehörden unverzichtbar. Mit dem derzeit im Aufbau befindlichen Zirkus-Zentralregister wird außerdem der besonderen Situation bei der tierschutzrechtlichen Überwachung dieser Betriebe Rechnung getragen.
ÖDP Ja
Piraten Hierzu haben wir derzeit noch keine Parteimeinung. So bleibt es dem Gewissen unserer Abgeordneten überlassen, wie sie in solchen Fragen entscheiden oder ob sie Anträge oder Anfragen einbringen möchten. Grundsätzlich sind wir umweltschutzpolitischen Themen gegenüber sehr offen.
SPD Die Haltung von Wildtieren in Zirkussen ist weiter zurückzudrängen. Ein pauschales und absolutes Verbot ist aus unserer Sicht zu weitreichend, da in großen Zirkusunternehmen mit langer Tradition und großen Winterquartieren durchaus auch mit hoher Kompetenz bestimmte Wildtiere gehalten werden. Viele Tiere aber, wie z.B. Flusspferde oder Bären, sollten schnellstmöglich ganz aus der Haltung in Zirkussen verbannt werden.

 

4. Tierethik und Tierschutz im Schulunterricht

„Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen." Um diese Grundaussage des Tierschutzgesetzes im Alltag umzusetzen, bedarf es einer frühzeitigen Auseinandersetzung mit ihren ethischen Grundlagen und ihren konkreten Auswirkungen. Bislang ist Tierethik- und Tierschutzunterricht an den Schulen in Baden-Württemberg jedoch nur als freiwillige Option vorgesehen.

4.1 Wird Ihre Partei die Themen Tierethik und Tierschutz zu einem festen Bestandteil des Curriculums für alle Schüler in Baden-Württemberg machen?
CDU Jeder trägt Verantwortung für den Schutz des Lebens und Wohlbefindens von Tieren und kann dies durch verantwortungsvolles Handeln gegenüber Tieren zum Ausdruck bringen. Mit dem von der CDU-geführten Landesregierung alle zwei Jahre durchgeführten Schülerwettbewerb zum Tierschutz finden Schülerinnen und Schüler in Baden-Württemberg Dank und Anerkennung für ihr vorbildliches Verhalten zum Wohl der Tiere.

Darüber hinaus finden sich In den Bildungsplänen, deren Schwerpunkt auf der Kompetenzentwicklung von Kindern und Jugendlichen liegt, die Bildungsziele: Achtung vor der Natur und artgerechter Umgang mit Tieren in allen Schularten wieder. Jede Schule hat Freiräume bei der Kompetenzvermittlung und kann eigene Schwerpunkte setzen. Ferner arbeitet die CDU-geführte Landesregierung derzeit an der Umsetzung eines nachhaltigen und umfassenden Präventionskonzeptes an Schulen in Baden-Württemberg, in dem das soziale Lernen und der respektvolle Umgang mit sich selbst und Anderen eine zentrale Rolle spielen.

Die Grünen Ja. Denn unser Grünes Ziel ist ein respektvoller und ethisch verantwortbarer Umgang mit unseren Mitgeschöpfen. Deshalb wollen wir die Tierschutzpädagogik in Kindergärten und Schulen stärken. Die neuen Bildungspläne in Baden-Württemberg, idenen nicht mehr Inhalte, sondern zu erwerbende Fähigkeiten und Kompetenzen festgelegt sind, eröffnen die Möglichkeit, Tierschutzthemen in vielen Fächern aufzugreifen und intensiv zu behandeln. Die Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Lehrkräfte und Erzieherinnen entsprechend sensibilisiert und qualifiziert sind. Deshalb wollen wir die Tierschutzpädagogik in der ethischen Grundlagenbildung der Lehrkräfte stärken und vielfältige Fortbildungsangebote für Lehrkräfte und Erzieherinnen anbieten, bei denen auch mit anerkannten Tierschutzverbänden kooperiert wird.

Für die erweiterten Bildungsangebote an Schulen, vor allem an Ganztagsschulen, sollen VertreterInnen von anerkannten Tierschutzorganisationen sowie speziell ausgebildete Tierschutzlehrkräfte als Lehrbeauftragte bzw. Jugendbegleiter eingebunden werden.

Gerade für Schülerinnen und Schüler ist es wichtig, dass an den Schulen und Schulkantinen sowie im Biologie- und Hauswirtschaftsunterricht vegetarische und vegane Ernährungsweisen als vollwertige Ernährungsformen anerkannt werden. Wir wollen ein Förderprogramm einrichten, bei dem Schulen eng mit Biobauernhöfen kooperieren, damit die Schülerinnen und Schüler die artgerechte Tierhaltung in der Praxis kennen lernen können.

Den Schülertierschutzwettbewerb, der nur für die Klassen fünf und sechs, sowie die Klassen drei und vier der Grundschule ausgeschrieben wird, wollen wir für alle Klassenstufen öffnen, da gerade Jugendliche sich dadurch vertieft mit Tierschutzproblemen und Lösungen befassen können.

Die Linke DIE LINKE in Baden-Württemberg wird sich nach Einzug in den Landtag mit dem Unterrichts-Curriculum näher befassen. Wir stehen dieser Forderung jedoch sehr offen gegenüber.
FDP Tierschutz betrachten wir als Grundrecht. So war es die FDP die bei Eintritt in die Regierungsverantwortung gefordert und durchgesetzt hat, dass in Baden-Württemberg der Tierschutz in die Landesverfassung aufgenommen wurde. Nachfolgend wurde diese Bestimmung ins Grundgesetz aufgenommen.

Der Tierschutz ist wesentlicher Bestandteil der Lehrpläne an den Schulen des Landes Baden-Württemberg. Dies soll nach Auffassung der FDP auch in Zukunft so bleiben.

ÖDP Ja
Piraten Hierzu haben wir derzeit noch keine Parteimeinung. So bleibt es dem Gewissen unserer Abgeordneten überlassen, wie sie in solchen Fragen entscheiden oder ob sie Anträge oder Anfragen einbringen möchten. Die Thematik würde sich aber unseres Erachtens im Rahmen von Biologie- oder Ethikunterricht integrieren lassen.
SPD Tierschutz sollte auch in der Schule eine Rolle spielen und vermittelt werden. Dafür eigenen sich besonders Fächer wie Biologie und Ethik. Wir werden diese Überlegungen in die Bildungspolitik hineintragen und unterstützen.

 

5. Tierschutz-Verbandsklage

Im Tierschutzrecht besteht nach wie vor eine unhaltbare rechtliche Schieflage: Während Tiernutzer gegen Auflagen durch Behörden klagen können, ist das Tierschutzverbänden bei Tatenlosigkeit von Behörden nicht möglich. Dadurch wird ein wirksamer Tierschutz in der Praxis unmöglich gemacht.

5.1 Wird Ihre Partei in Baden-Württemberg ein Klagerecht für anerkannte Tierschutzorganisationen einführen?
CDU In Baden-Württemberg wurde 1991 der Landesbeirat für Tierschutz eingerichtet. Er berät das Ministerium für Ländlichen Raum, Ernährung und Verbraucherschutz in Tierschutzfragen und hat sich in den vergangenen Jahren intensiv mit aktuellen Fragen des Tierschutzes befasst. 87 % aller Beschlüsse und Initiativen des Landesbeirats wurden von der Landesregierung zur Umsetzung auf Landes- und Bundesebene vollständig oder teilweise aufgegriffen. Durch die Mitwirkung von Vertretern aus verschiedenen Tierschutzorganisationen sowie anderen berührten Verbänden und Organisationen im Landesbeirat für Tierschutz werden in diesem Gremium alle Belange und Aspekte des Tierschutzes in vielfältiger Weise berücksichtigt. Diese enge und erfolgreiche Zusammenarbeit des Ministeriums für Ländlichen Raum mit Experten des Tierschutzes werden wir weiterführen. Ein besonderes Klagerecht ist vor diesem Hintergrund nicht nötig.
Die Grünen Wir Grünen setzen uns bereits seit Jahren für die Einführung eines Verbandsklagerechts für anerkannte Tierschutzorganisationen in Baden-Württemberg ein. Bereits im Jahr 2005 haben wir dazu einen Gesetzentwurf in den Landtag eingebracht (Landtagsdrucksache 13/4418), der leider von den beiden Regierungsfraktionen CDU und FDP abgelehnt wurde. In unserem Landtagswahlprogramm ist die Forderung der Verbandsklage eine zentrale Forderung für die nächste Legislaturperiode.
Die Linke Tierschutzorganisationen sollten als Träger öffentlicher Belange ein Klagerecht erhalten, schließlich ist der Tierschutz ein grundgesetzlicher Auftrag.
FDP Das Tierschutzrecht enthält bereits zahlreiche Mitwirkungsmöglichkeiten von Interessengruppen, so ist z. B. gemäß § 16b des Tierschutzgesetzes (TierSchG) eine Tierschutzkommission beim für den Tierschutz zuständigen Bundesministerium eingerichtet, in der auch Vertreter von Tierschutzverbänden vertreten sind. Tierschutzverbände in Baden-Württemberg werden im Rahmen der Tätigkeit des Landestierschutzbeirats beim Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum in alle Entscheidungsprozesse mit grundsätzlicher Bedeutung für den Tierschutz eingebunden.
ÖDP Ja
Piraten In unserem Wahlprogramm fordern wir bereits ein Verbandsklagerecht für Umweltverbände, da Baden-Württemberg eines der wenigen Bundesländer ist, das in seinem Landesnaturschutzgesetz kein Verbandsklagerecht für Umweltverbände enthält. Wir möchten das Verbandsklagerecht im Landesnaturschutzgesetz einführen, um die Einflussmöglichkeiten von Umweltschutzverbänden zu stärken.

Umwelt- und Tierschutz sind eng verwandt, weshalb davon auszugehen ist, dass unsere Abgeordneten sich auch dafür einsetzen werden.

SPD Wir fordern und unterstützen seit Jahren ein Verbandsklagerecht für Tierschutzorganisationen auf Bundes- und Landesebene. Wir stimmen mit Ihrem Verband auch darin überein, dass dieses Klagerecht aufgrund der großen Vielzahl von Vereinen vernünftigerweise auf einige große und seriöse Tierschutzorganisationen zu beschränken ist. Auch ein unabhängiger Tierschutzbeauftragter mit Klagerecht wäre ein Beitrag zur Stärkung des Tierschutzes. Wir befürworten deshalb die Einsetzung eines solchen Beauftragten.

 

6. Schulfruchtprogramm / Schulmilchprogramm

Obwohl längst bekannt ist, dass Kuhmilch keineswegs gesundheitsfördernd ist, in den meisten Haltungsformen aber großes Leid und einen frühen Tod für Hunderttausende von Milchkühen bedeutet, unterstützt Baden-Württemberg das von der EU finanzierte Schulmilchprogramm (ebenso wie den Milchkonsum Erwachsener) mit aufwendigen Werbemaßnahmen. Gleichzeitig wird das EU-Schulfruchtprogramm, das tatsächlich zu einer gesunden und ausgewogenen Ernährung betragen könnte, bisher kaum in Anspruch genommen, weil eine ausreichende Landesförderung fehlt.

6.1 Wird Ihre Partei die bestehenden Maßnahmen zur Unterstützung des Kuhmilchkonsums einschließlich des Schulmilchprogramms beenden?
CDU Das Schulmilchprogramm wird von der Europäischen Union angeboten, um den Verzehr von gesunden, wichtige Vitamine und Mineralstoffe enthaltenden Milchprodukten bei Kindern zu fördern. Das Programm soll gesunde Ernährung sowohl praktisch als auch pädagogisch vermitteln und trägt damit zum Kampf gegen Fettleibigkeit bei Kindern bei. Durch das Schulmilchprogramm werden Kinder mit Qualitätsprodukten versorgt, eine gesündere Art zu leben gefördert und das Wissen im Bereich Ernährung gesteigert. Baden-Württemberg setzt die ausschließlich aus EU- Mitteln finanzierte Schulmilchbeihilfe in der verwaltungsmäßigen Abwicklung um. Die begleitenden pädagogischen Angebote haben nicht einzelne Nahrungsmittel, sondern insgesamt eine gesunde ausgewogene Schulverpflegung und die Ernährungskompetenz der Kinder im Fokus.

Die CDU wirbt für eine weitere Ausweitung des Schulfruchtprogramms und die Einbeziehung weiterer Schulkinder im Rahmen des von der EU vorgegebenen Mittelrahmens. Die Teilnahme am Schulfruchtprogramm ist jedoch freiwillig und liegt in der Entscheidung der Schulträger bzw. Schulen oder Kindergärten. Nach dem Verteilschlüssel der EU steht Baden-Württemberg im aktuellen Schuljahr 2010/2011 ein maximaler Beihilfebetrag von rd. 2,5 Mio. Euro an EU-Mitteln zur Verfügung. Sofern die Kofinanzierung durch Dritte erbracht wird, stehen Mittel in Höhe von 5 Mio. Euro pro Schuljahr für das Schulobstprogramm zur Verfügung. Hiermit können rechnerisch rd. 400.000 Schulkinder einmal in der Woche mit einer Portion Obst und/oder Gemüse versorgt werden. Derzeit nehmen ca. 600 Schulen und Kindergärten mit rd. 90.000 Kindern am Schulfruchtprogramm teil.

Die Grünen Wir Grünen haben das Schulmilchprogramm bislang nicht unterstützt und werden dies auch künftig nicht tun. Schulkinder müssen viel Trinken. Viel wichtiger als Milch sind Trinkbrunnen mit frischem Wasser an den Schulen, Fruchtsäfte wie Apfelsaft aus Streuobstwiesen sowie viel Obst und Gemüse.

Das Schulobstprogramm ist allerdings nur ein sehr kleiner und unzureichender Baustein bei der riesigen Aufgabe, das Ernährungsverhalten von Kindern und Jugendlichen positiv zu beeinflussen. Da wir derzeit flächendeckend zur Ganztagsschule in Baden-Württemberg übergehen, muss in den Schulkantinen ein gesundes Schulmittagessen angeboten werden. Die Kriterien für uns sind dabei ein hoher Anteil von Obst und Gemüse sowie Getreideprodukten und ein geringer Anteil an tierischen Produkten, vor allem Fleisch. Die Zutaten sollen weitgehend aus regionaler, saisonaler und biologischer Erzeugung stammen. Jeden Tag muss mindestens ein vegetarisches Essen und bei Bedarf veganes Essen angeboten werden. Wir wollen dafür sorgen, dass an allen Schulen Küchen eingerichtet werden, in denen gekocht werden kann, damit Schülerinnen und Schüler auch praktische Erfahrungen mit dem Zubereiten frischer und gesunder Mahlzeiten machen können. Derzeit ist es leider üblich, dass fast nur Ausgabeküchen in Schulen eingebaut werden und das Schulessen von Anbietern mit Cook- und Chill- Verfahren geliefert wird. Zum Teil wird dieses Essen aus riesigen Entfernungen mit Lastwagen an die Schulen gefahren. In ökologischer Hinsicht ist das absolut inakzeptabel. Wir wollen dafür sorgen, dass in der Ernährungserziehung alle Aspekte, z. B. Qualität, Geschmack, Zusammensetzung, Zusatzstoffe und Herstellung, aber auch Regionalität, Klimaschutz, Welternähung sowie Tierschutz eine wichtige Rolle spielen.

Die Linke DIE LINKE versucht die Stellung der Milchbauern gegenüber der Industrie und den Discountern zu stärken. Gleichzeitig ist eine möglichst artgerechte Haltung der Kuh zu erzwingen. In Europa wird zu viel Milch erzeugt und als Milchpulver mittels Exportsubventionen vorwiegend in Entwicklungsländer exportiert. Diese Spirale der Zerstörung der kleinbäuerlichen Landwirtschaft in Europa und der 3. Welt ist zu durchbrechen. Wir wenden uns daher gegen Fördermodelle der industriellen Milcherzeugung. Das Schulmilchprogramm wird in der LINKEN unterschiedlich bewertet. Konsens ist jedoch, dass die Erzeugung von Milch zurückgefahren werden muss. Ob Absatzfördermodelle wie das Schulmilchprogramm weiter unterstützt werden sollten, wird die zukünftige Landtagsfraktion der LINKEN gerne mit den Tierrechtsorganisationen und Umweltverbänden diskutieren.
FDP Das Schulobstprogramm wird in Baden-Württemberg bereit erfolgreich umgesetzt. Wir haben in den Schulen Ernährungsberatung. Dabei legen wir besonderen Wert auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung der Kinder. Auf der Internetseite des Ministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Verbraucherschutz Baden-Württemberg können Sie sich darüber hinaus über die vielfältigen Programme des Landes informieren.
ÖDP Ja
Piraten Wir zitieren aus unserem Wahlprogramm: „Eine gesunde Ernährung ist aus Gründen der körperlichen und geistigen Entwicklung und der Konzentrationsfähigkeit der Kinder wichtig. Berufstätige Eltern, besonders Alleinerziehende, haben nicht immer die Möglichkeit, ihren Kindern ein Mittagessen zu bieten. Schulspeisungen können dazu beitragen, dass sich ihre Kinder trotzdem ausgewogen ernähren. Wir fordern daher die Einführung vollwertiger Schulspeisungen an allen Schulen und Kindertagesstätten".
SPD Die SPD setzt sich vehement für eine Ausweitung der viel zu wenig verbreiteten Abgabe von Schulobst wie auch von Schulmilch ein. Nachdem dies ein erklärtes politisches Ziel ist und nachdem die EU dafür sogar Fördermittel bereitstellt, muss es möglich sein, eine nahezu flächendeckende Versorgung mit Schulmilch und Schulobst zu gewährleisten.

 

6.2 Wird Ihre Partei die finanzielle Unterstützung des EU-Schulfruchtprogramms deutlich ausbauen, zum Beispiel indem Landesmittel zur Bewerbung des Milchkonsums umgewidmet werden?
CDU [s. Antwort unter 6.1]
Die Grünen [s. Antwort unter 6.1]
Die Linke DIE LINKE unterstützt die Förderung des Schulfruchtprogramms und alle Maßnahmen für eine gesunde Ernährung von Schulkindern. Wir werden uns für den Ausbau dieses Programms stark machen. Generell fordert DIE LINKE ein kostenloses und gesundes Schulessen für jedes Kind.
FDP [s. Antwort unter 6.1]
ÖDP Ja
Piraten [s. Antwort unter 6.1]
SPD [s. Antwort unter 6.1]

 

7. Jagd

Die Jagd auf Wildtiere in Deutschland wird vorwiegend als Maßnahme zur Waldpflege und zur Verhinderung landwirtschaftlicher Schäden begründet. Tatsächlich ist die Jagd aber weder wirksam noch notwendig, um Wildschäden zu verhindern. Die Jagd reguliert die Bestände nicht nach unten, sondern nach oben. Populationsgrößen hängen immer von der Umweltkapazität, also maßgeblich vom Platz- und Futterangebot ab, nicht davon, wie viele Tiere getötet werden. Abschüsse werden durch gesteigerte Fortpflanzung überkompensiert. Geeignete Maßnahmen im Wildtiermanagement sind daher Impfungen gegen Krankheiten, bauliche Ernteschutzmaßnahmen und die Einstellung der künstlichen Mast der Wildtiere durch die Jäger.

7.1 Wird sich Ihre Partei für die mittelfristige Abschaffung der Jagd in Baden-Württemberg und für den Ausbau eines tötungsfreien Wildtiermanagements einsetzen?
CDU Die Jagd stellt wie die Land-, Forst- oder Fischereiwirtschaft eine Form der Nutzung natürlicher Ressourcen dar. In Deutschland ist das Jagdrecht ein an Grund und Boden gebundenes Eigentumsrecht und somit untrennbar mit diesem verbunden. Eine Abschaffung der Jagd kommt wegen des Grundrechtschutzes des Eigentums nach Artikel 14 Grundgesetz nicht in Frage. Im Übrigen braucht ein praktisches Wildtiermanagement die Jagd als sinnvolles Instrument und den Sachverstand der Jäger als Handelnde, die für die Allgemeinheit sowie für das Wild und die Natur tätig werden. Jagen bedeutet dabei nicht wahlloses Töten von Wildtieren, sondern unterwirft sich Regeln, die auf Nachhaltigkeit abzielen.
Die Grünen Unsere jagdpolitischen Ziele sind nahezu deckungsgleich mit den Zielen des Ökologischen Jagdverbandes. Wir wollen dafür sorgen, dass die Fallenjagd sowie der Abschuss von Haustieren im Jagdgesetz verboten werden und dass bei der Ausbildung von Jagdhunden keine lebenden Tiere (Füchse, Enten) eingesetzt werden dürfen. Die Schonzeiten für bedrohte Tierarten wollen wir ausweiten und ihre Bejagung und Vergrämung unter Umständen völligständig untersagen. Jagdformen, bei denen erhöhte Risiken von Fehlschüssen, Verletzung und Tötung nicht bejagter Tiere bestehen, sollen künftig untersagt werden.
Die Linke Ein kluges Wildtiermanagement als Baustein eines umfassenden Tierschutzkonzeptes kann viele Konflikte, die aus zerstörten ökologischen Kreisläufen entstehen, beheben. Soweit es möglich ist sollte das Töten von Tieren, beispielsweise bei der Jagd, verhindert werden. Deshalb befürworten wir jeden Ansatz, der die Jagd als Praxis zur Bestandsregulierung reduziert.
FDP Aus Sicht der Liberalen darf die Jagd nicht isoliert betrachtet werden. Jagd ist auch Natur- und Tierschutz. Die fachlichen Anforderungen an die Jäger sind bewusst hoch gehalten. Jagd ist darüber hinaus die älteste, natürlichste und tierschutzgerechteste Art der Beschaffung von Lebensmitteln. Jagdrecht bedeutet auch die Einhaltung der Jagdpflichten. Dazu gehört neben der Beachtung der Tierschutzgesetze auch die angemessene Regulierung des Wildbestandes nach Vorgabe der Jagdbehörde.
ÖDP Ja
Piraten Parteipositionen erstellen wir nach intensiver Beschäftigung mit einem Thema; hierzu haben wir jedoch noch keine endgültige Positionierung vorgenommen. So bleibt es dem Gewissen unserer Abgeordneten überlassen, wie sie in solchen Fragen entscheiden oder ob sie Anträge oder Anfragen einbringen möchten.
SPD Das Jagdrecht wollen wir im Grundsatz nicht ändern, es ist aus ökologischen Gründen geboten.

Die Fallenjagd ist dort, wo sie noch erlaubt ist, zu überprüfen und weiter zurückzudrängen. Die Frage, inwieweit Grundstückseigentümer die Jagd auf ihren Grundstücken verbieten können, muss, wie auch die Frage nach den Drück- und Treibjagden, sorgfältig mit der Notwendigkeit einer effektiven Bejagung abgewogen werden. Angesichts großer Überbestände wie etwa beim Schwarz- wie auch Rotwild muss nicht zuletzt aus ökologischen Gründen eine wirkungsvolle Bejagung stattfinden können.

 

8. Moratorium auf Schlachthäuser

In Deutschland wird weit mehr Fleisch produziert als konsumiert. Diese Überproduktion von Fleischprodukten für den Export verursacht aber große ökologische und soziale Schäden und verursacht enormes Leid für die Tiere. Es ist daher dringend geboten, der Expansion in diesem Bereich einen Riegel vorzuschieben.

8.1 Wird sich Ihre Partei gegen den Bau von neuen Schlachthäusern in Baden-Württemberg aussprechen?
CDU Der Bau von Schlachthäusern fällt grundsätzlich in die Entscheidung der betreffenden Unternehmen. Sofern die vorgegebenen gesetzlichen Standards eingehalten werden, sieht die CDU Baden-Württemberg keine Möglichkeit und auch keinen Grund, in privatwirtschaftlich motivierte Unternehmensentscheidungen einzugreifen.
Die Grünen Wir verfolgen das Ziel, durch Umstellung auf ökologische Landwirtschaft mit einer Flächenbindung der Tierhaltung, so dass keine Futtermittel aus der dritten Welt eingesetzt werden. Die Tierhaltung muss künftig artgerecht und qualfrei erfolgen. Dies wird nur bei einem deutlich reduzierten Fleischkonsum möglich sein. Vegetarische und vegane Lebensweisen müssen deshalb als vollwertige Ernährungsformen anerkannt werden. Wir Grünen, vor allem unsere Grüne Jugend übernehmen dabei eine Vorbildfunktion. So gibt es einen grünen Parteitagsbeschluss, dass bei grünen Parteitagen nur vegetarisches Essen angeboten werden darf. Die Grüne Jugend hat nur vegetarisches und veganes Essen bei ihren Sitzungen und Veranstaltungen. Realistischerweise müssen wir aber davon ausgehen, dass viele Menschen auch weiterhin Fleisch essen werden. Wir wollen deshalb dem Ausbau von großen Schlachtfabriken einen Riegel vorschieben zugunsten regionaler kleiner Schlachthöfe, in denen die Tiere aus der Region ohne lange Transporte geschlachtet werden. Die Verbesserung des Tierschutzes bei der Schlachtung ist dabei ein wichtiges Ziel für uns Grüne. Am allerwichtigsten ist eine durchgängige Kontrolle durch Tierärzte bei der Schlachtung sowie das Verbot der Akkordschlachtung. Wir setzen uns dafür ein, dass sehr hohe Standards bei den nationalen Durchführungsbestimmungen zur EU-Schlacht-Verordnung ab 2013 festgelegt werden.
Die Linke DIE LINKE setzt sich dafür ein, Tiertransporte so weit wie möglich einzuschränken. Eine europaweite Schlachtungs-Logistik lehnen wir ab. Eine industrialisierte Landwirtschaft widerspricht der Nachhaltigkeit und dem Tierschutz. Unser Ziel ist eine ökologische und regionale Erzeugung als Kreislaufwirtschaft.
FDP Ältere Schlachthäuser genießen in der Regel Bestandsschutz, das heißt, Modernisierungen und damit auch die Berücksichtigung wünschenswerter tierschutzrechtlicher Standards können nur beim Neubau von Schlachthäusern umgesetzt werden. Ein Bauverbot stünde den Interessen des Tierschutzes entgegen.
ÖDP Ja
Piraten Wir setzen uns für einen bewussten und verantwortungsvollen Umgang mit den Naturressourcen ein. Deshalb unterstützen wir vorrangig eine qualitativ orientierte Landwirtschaft in kleineren Betrieben. Diese soll gegenüber industrieller Massenlandwirtschaft bevorzugt werden. Dies stünde ganz im Zeichen des Tierschutzes und betrifft beispielsweise auch die Akkordlohnmodelle.

Zudem sind wir für transparente Ergebnisse bei Lebensmittelkontrollen. Statt stärkerer Kontrollen müssen Mängel öffentlich nachvollziehbar sein, um durch Transparenz diese abschreckende Wirkung zu erreichen. So wird auch Druck auf die Verkaufsstellen ausgeübt, ihre Lieferanten sorgfältiger auszuwählen. Wir fordern deshalb die Schaffung eines frei zugänglichen Informationssystems für den Zugang zu den Ergebnissen von Lebensmittelkontrollen.

SPD Der Bau neuer Schlachthäuser ist angesichts der Marktsituation aus unserer Sicht nicht erforderlich.

Die Zustände in den Schlachthöfen sind aus Tierschutzsicht nicht zufriedenstellend. Dies hat auch mit dem Arbeits- und Zeitdruck dort zu tun. Inwieweit ein Verbot von Akkordarbeit möglich und durchsetzbar ist, werden wir prüfen. In jedem Fall aber muss die Kontrolldichte erhöht werden, um unnötiges Tierleiden zu vermeiden.

 

9. Besteuerung tierischer Lebensmittel

Für die Fleischindustrie und die Fischerei werden mehr Tiere gezüchtet und getötet als für alle anderen menschlichen Aktivitäten zusammengenommen. Sie sind somit die Quelle für das größte menschlich verursachte Leid an Tieren. Gleichzeitig sind sie jedoch für eine gesunde menschliche Ernährung nicht erforderlich, sondern wirken ihr sogar entgegen. Die Produktion tierischer Lebensmittel dient somit nicht dem Gemeinwohl und schafft keine Güter des täglichen Bedarfs, sondern reine Genussmittel. Sie verursacht enorme soziale und ökologische Schäden, die bisher von der Allgemeinheit getragen werden: Unter anderem gilt sie als einer der Hauptverursacher des Klimawandels (Anteil laut FAO mind. 18 %). Der Anbau von Futtermitteln hat entscheidenden Anteil an der Zerstörung der Regenwälder und am Welthunger (rund 1 Milliarde Menschen hungern, viele davon in den Anbauländern). In ihrem Jahresbericht vom 18.2.2010 empfiehlt die Welternährungsorganisation FAO daher, die Fleischproduktion weltweit zu besteuern, damit die realen Umweltkosten künftig nach dem Verursacherprinzip beglichen werden.

9.1 Wird sich Ihre Partei für die Einführung einer Fleischsteuer gemäß der Empfehlung der FAO einsetzen?
CDU Nein. Die Landesregierung setzt sich nicht für zusätzliche steuerliche Belastungen in den genannten Bereichen ein, zumal dies in erster Linie auf Kosten der Verbraucher gehen würde.
Die Grünen Die Empfehlungen der FAO in ihrem jüngsten Jahresbericht, aus Umweltgründen eine Steuer auf die Nutztierhaltung einzuführen, ist ein wichtiges Signal. Als erstes vollen wir die Subventionen auf die Landwirtschaft, die vielfältige Subventionen für die Nutztierhaltung beinhalten, auf europäischer Ebene abschaffen. Eine Steuer auf Nutztierhaltung müsste allerdings einher gehen mit einer Änderung des Bewusstseins der Menschen. Dafür wollen wir uns einsetzen.
Die Linke Höhere Steuern auf Lebensmittel verstärken die soziale Ungerechtigkeit. DIE LINKE macht sich stattdessen dafür stark, den Fleischkonsum durch Bewusstseinsbildung zu reduzieren. Dazu sind entsprechende Konzepte im Bildungswesen zu verankern. Die Auswirkungen von Fleischproduktion und -Konsum auf das Klima und die Umwelt können nicht länger ignoriert werden.
FDP Der reduzierte Mehrwertsteuersatz auf Grundnahrungsmittel ist durch Bundesgesetz geregelt. Fleisch ist ein klassisches Grundnahrungsmittel. Eine Herausnahme aus dem Katalog der Lebensmittel, oder eine Sondersteuer, wäre willkürlich und würde einer gerichtlichen Überprüfung nicht standhalten.
ÖDP Ja
Piraten Parteipositionen erstellen wir nach intensiver Beschäftigung mit einem Thema; hierzu haben wir jedoch noch keine endgültige Positionierung vorgenommen. So bleibt es dem Gewissen unserer Abgeordneten überlassen, wie sie in solchen Fragen entscheiden oder ob sie Anträge oder Anfragen einbringen möchten.
SPD Eine Erhöhung der Mehrwertsteuer auf Fleisch lehnen wir aus sozialen Gründen ab. Zudem verweisen wir auf unsere Antwort zu Frage 2.

 

9.2 Wird sich Ihre Partei, da tierische Produkte weder Güter des täglichen Bedarfs noch dem Gemeinwohl förderlich sind, für eine Erhöhung des Mehrwertsteuersatzes für tierische Produkte von 7 % auf 19 % aussprechen?
CDU [s. Antwort unter 9.1]
Die Grünen Wir Grünen wollen Anreize zur Reduzierung des Fleischkonsums schaffen. Wir wollen z.B. Gemeinden und öffentliche Verwaltung dazu ermutigen und anregen, in ihren Mensen und Kantinen jeweils täglich einer vegetarischen Alternative anzubieten sowie wöchentlich einen Veggie-Tag einzuführen, wie dies in Gent usw. bereits praktiziert wird. Wir haben hierzu schon im Landtag eine Initiative ergriffen (Landtagsdrucksache 14/6434), siehe auch Antwort auf Frage 2.1.

Eine Erhöhung des Mehrwertsteuersatzes für tierische Produkte von 7 auf 19 % wäre schwierig in einem nationalen Alleingang, denn durch die Wettbewerbsverzerrung würden gerade Betriebe, die eine artgerechte und qualfreie Tierhaltung (insbesondere ökologische Landwirtschaft) existenziell gefährdet.

Die Linke An dieser Stelle möchten wir auf unsere Antwort zu 9.1. verweisen.
FDP [s. Antwort unter 9.1]
ÖDP Ja
Piraten [s. Antwort unter 9.1]
SPD [s. Antwort unter 9.1]

 

10. Tierversuche

Tierversuche sind grausam für Tiere und gefährlich für Menschen, da eine Übertragbarkeit der Ergebnisse regelmäßig nicht gewährleistet ist. Dennoch werden Ersatzmethoden in der Forschung und Ausbildung bisher kaum gefördert. An drei Tübinger Instituten finden sogar nach wie vor Hirnversuche an Affen statt.

10.1 Strebt Ihre Partei ein generelles Verbot von Tierversuchen an?
CDU Keine Antwort
Die Grünen Wir Grünen kritisieren die ständige Zunahme der Tierversuche trotz der Verankerung des Tierschutzes als Staatsziel im Tierschutzgesetz. Wir setzen uns für die Abschaffung der Tierversuche und den Einsatz alternativer Methoden ein. Dabei streben wir eine jährliche Reduzierung von 10 % an. Die grausamen Tierversuche an Primaten, die u. a. auch in Baden-Württemberg an der Universität Tübingen im Bereich Hirnforschung durchgeführt werden, wollen wir innerhalb eines festgesetzten zeitlichen Rahmens komplett abschaffen. Studierende sollen das Recht auf ein tierverbrauchsfreies Studium mit alternativen Leistungsnachweisen erhalten. Damit wir unsere Ziele erreichen können wollen wir mehr Forschungsmittel in die tierversuchsfreie Forschung umschichten. Die Genehmigungs- und Kontrollpraxis muss verschärft und transparenter ausgestaltet werden. Mit zwei großen parlamentarischen Fraktionsanträgen haben wir uns in der zu Ende gehenden Legislaturperiode bereits für diese Ziele eingesetzt (siehe Landtagsdrucksache 14/4342 sowie Landtagsdrucksache 14/4346)
Die Linke DIE LINKE strebt ein generelles Verbot von Tierversuchen an. Dazu sind technologische Erkenntnisse und Verfahren schnell in die Anwendung zu bringen. Die Erforschung von Ersatzmethoden ist durch den zielgerichteten Einsatz von öffentlichen Mitteln zu intensivieren.
FDP Wir nehmen das Thema Tierversuche sehr ernst. Auch die Landesregierung hat sich in den letzten Jahren intensiv mit den damit zusammenhängenden fachlichen, rechtlichen und ethischen Fragen befasst, so auch im Rahmen einer Arbeitsgruppe des beim Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum angesiedelten Landesbeirats für Tierschutz.

Der Landestierschutzbeirat hat die Ergebnisse der Arbeitsgruppe in mehreren Beschlüssen aufgegriffen und die Landesregierung mit deren Umsetzung beauftragt. Das Thema war auch Gegenstand der Beratungen des Ministerrats von Baden-Württemberg. Wir sehen es als unsere Aufgabe, Tierversuche auf ein Minimum zu begrenzen. Die EU-Tierversuchsrichtlinie werden wird die FDP nicht zum Anlass nehmen, zu fordern, tierschutzrechtliche Standards zu reduzieren. Aufgrund der Vorgaben der Richtlinie sind zukünftig aber nationale Verschärfungen in diesem Rechtsbereich nicht mehr zulässig. Wir werden uns deshalb im Einzelfall bei Bedarf über den Bundesrat für eine sachgerechte Weiterentwicklung der Vorgaben auf Ebenen der Europäischen Union einsetzen.

ÖDP Ja
Piraten Parteipositionen erstellen wir nach intensiver Beschäftigung mit einem Thema; hierzu haben wir jedoch noch keine endgültige Positionierung vorgenommen. So bleibt es dem Gewissen unserer Abgeordneten überlassen, wie sie in solchen Fragen entscheiden oder ob sie Anträge oder Anfragen einbringen möchten.

Allerdings, Im Sinne einer transparenten Politik halten wir es generell für unerlässlich, dass Kommissionen paritätisch besetzt sind.

Hinterzimmerpolitik ist nicht mehr zeitgemäß und undemokratisch. Diese Forderung entspricht somit unserem Politikverständnis und dürfte auf entsprechend offene Ohren bei unseren Abgeordneten stoßen. (aus Punkt 3 anderes Pad)

SPD Wir setzen uns dafür ein, belastende Tierversuche auf das unumgängliche Minimum zu beschränken. Ein pauschales Verbot erscheint uns nicht möglich, solange es in einigen Bereichen, die etwa in Zusammenhang mit humanmedizinisch relevanten Therapeutika stehen, noch keine Alternativen hierzu gibt. Selbstverständlich muss auch hier eine transparente und sorgfältige Abwägung stattfinden. Wir treten seit langem dafür ein, die Entwicklung von Alternativmethoden, die Tierversuche überflüssig machen, zu forcieren und auch staatlich zu fördern. Auch sollten sich wissenschaftliche Förderprogramme daran orientieren, dass Forschung, ohne Tierversuche stattfindet. Beantragende Wissenschaftlerinnen sollen nachweispflichtig sein, dass alle anderen Methoden ausscheiden und der Tierversuch die ultima ratio ist.

Die Genehmigung von Tierversuchen muss dabei so transparent sein, dass auch die Öffentlichkeit erfährt, zu welchem Zweck und in welchem Umfang Tierversuche welcher Art stattfinden und auch, ob und warum diese zwingend unausweichlich sind.

 

10.2 Wird Ihre Partei gezielt Ersatzmethoden für Tierversuche fördern?
CDU Keine Antwort
Die Grünen [s. Antwort unter 10.1]
Die Linke [s. Antwort unter 10.1]
FDP [s. Antwort unter 10.1]
ÖDP Ja
Piraten [s. Antwort unter 10.1]
SPD [s. Antwort unter 10.1]

 

10.3 Wird Ihre Partei die Affenhirnversuche in Baden-Württemberg umgehend untersagen?
CDU Die CDU begrüßt ausdrücklich die Instrumente zur verstärkten Förderung tierversuchsfreier Verfahren. Zur Verringerung von Tierversuchen werden wir die Entwicklung von Ersatzmethoden weiter fördern. Überdies würdigt die Landesregierung über den jährlich zu vergebenen und mit 25.000 € dotierten Förderpreis für Ersatz- und Ergänzungsmethoden zum Tierversuch die Entwicklung und Validierung solcher Methoden. Weiterhin unterstützt die CDU den bundesweit ersten Lehrstuhl zum Thema Ersatz- und Ergänzungsmethoden zum Tierversuch, der auf Initiative der Doerenkamp-Zbinden-Stiftung an der Universität Konstanz eingerichtet wurde.
Die Grünen [s. Antwort unter 10.1]
Die Linke [s. Antwort unter 10.1]
FDP [s. Antwort unter 10.1]
ÖDP Ja
Piraten [s. Antwort unter 10.1]
SPD [s. Antwort unter 10.1]

 

11. Rückführung der zoologischen Abteilung der Wilhelma

Im Jahr 2010 hat die Wilhelma ein Rekorddefizit von mehr als 6 Millionen Euro erwirtschaftet, die aus Landesmitteln ausgeglichen werden müssen. Hauptgrund für das zunehmende Defizit ist der anhaltende Besucherrückgang, der darauf schließen lässt, dass immer mehr Menschen im Land die Tierhaltung im Zoo als tierquälerisch und nicht artgerecht ablehnen.

11.1 Wird sich Ihre Partei dafür einsetzen, den Landeszuschuss für die Wilhelma jährlich zurückzufahren – mit dem Ziel, die zoologische Abteilung mittelfristig aufzulösen und die Wilhelma wieder zu dem zu machen, was sie ursprünglich war: ein botanischer Garten?
CDU Die Wilhelma hat sich seit Ihrer Gründung zu einem angesehenen zoologisch botanischen Garten entwickelt. Nur wenige zoologische Gärten verfügen über einen so umfassenden botanischen Teil. Die Wilhelma ist für Besucher, insbesondere Familien mit kleinen Kindern, aus dem ganzen Land ein beliebtes Ausflugsziel. Vor allem Kinder und Schulklassen können im zoologischen und botanischen Teil der Wilhelma vieles über Natur und Umwelt erfahren. Zoos helfen, Wissen über Tiere zu mehren und wecken Verständnis für den Schutz von Arten in ihren natürlichen Lebensräumen. Zoos sind auch Refugien für immer mehr Tierarten, die in ihrem heimischen Lebensraum von der Ausrottung oder vom Aussterben bedroht sind. Mit Hilfe von koordinierten Erhaltungszuchtprogrammen wirken Zoos dem entgegen. Deshalb sehen wir keinen Grund, auf den zoologischen Teil verzichten.
Die Grünen Unser wichtigstes Ziel ist eine Verschärfung der Richtlinien für die Zootierhaltung mit konkreten Haltungsvorschriften für Wildtiere, damit ihnen ein weitgehend artgemäßes Leben ermöglicht wird.

Die Aufgabe von wissenschaftlichen zoologischen Gärten wird künftig stärker daran ausgerichtet werden müssen, dass eine Sensibilisierung für die artspezifischen Bedürfnisse von Tieren sowie den Erhalt der Tierarten durch Schutz und Wiederherstellung ihrer natürlichen Lebensräume erreicht wird.

Daran wird sich auch die Wilhelma messen lassen müssen. Wir werden die Landeszuschüsse auf den Prüfstand stellen. Der Tierschutzaspekt der Wilhelma muss deutlich gestärkt werden.

Die Linke In dieser Frage hat DIE LINKE Klärungs- und Diskussionsbedarf. Daher kann an dieser Stelle keine abschließende Stellungnahme erfolgen.
FDP Nein. Die „Wilhelma" ist über Baden-Württemberg hinaus weltweit bekannt. Dabei leistet sie nicht nur einen wesentlichen Beitrag zum weltweiten Artenschutz. Sie vermittelt auch in vielfältiger Weise Wissen über Tiere und Pflanzen. Diese Kombination ist beispielhaft. Wir betrachten die „Wilhelma" als pädagogisch besonders wertvoll und unterstützenswert. Die Vielzahl der nationalen und internationalen Auszeichnungen bestätigt dies.
ÖDP Ja
Piraten Parteipositionen erstellen wir nach intensiver Beschäftigung mit einem Thema; hierzu haben wir jedoch noch keine endgültige Positionierung vorgenommen. So bleibt es dem Gewissen unserer Abgeordneten überlassen, wie sie in solchen Fragen entscheiden oder ob sie Anträge oder Anfragen einbringen möchten.
SPD Die Wilhelma genießt einen hervorragenden Ruf als Zoologischer wie auch Botanischer Garten. Die dort durchgeführten Artenschutzprogramme helfen, das Aussterben seltener Tiere zu verhindern. Außerdem ist jeder moderne und gut geführte Zoo ein wichtiges Element, um der Bevölkerung Artenschutz-, Umwelt- und Tierschutzaspekte nahezubringen und für die großen Umweltprobleme wie den Klimawandel oder den Flächenverbrauch zu sensibilisieren.


 

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren

Twitter

Facebook

Zitat

» Fleischessen ist ein Überbleibsel der größten Rohheit; der Übergang zum Vegetarismus die erste und natürlichste Folge der Aufklärung. «
Tolstoi